Der digitale Schnuller
Serie zur digitalen Medienkompetenz

Schon Babys und Kleinstkinder sieht man oft mit dem Smartphone in der Hand. Was für manche niedlich aussieht, nimmt massiven Einfluss auf die frühkindliche Entwicklung.
Dass die ständige Präsenz des Handys bei Teenagern und Erwachsenen zu einer Art Suchverhalten führt, ist vielen schon bewusst. Bei Babys und Kleinstkindern ist der Einfluss darüber hinaus noch dramatischer: auch körperliche Entwicklungen werden gestört, diese Defizite können später nicht immer aufgeholt werden.
Weitere Fachinformationen unter www.smart-aufwachsen.at
In den nächsten Monaten berichten Persönlichkeiten aus unserer Gemeinde, die beruflich mit Kleinkindern zu tun haben über ihre Erfahrungen und Eindrücke aus der Praxis.
Im Interview: Dr. Bernhard Schütz
Facharzt für Allgemein- und Familienmedizin

„Eltern müssen erfahren, was Bildschirmzeit mit Kleinkindern macht“
Was sind Ihre Beobachtungen in der Praxis?
Als Arzt bin ich der Überzeugung, dass bereits im Rahmen des Mutter-Kind-Passes das Thema Medieneinfluss auf Kleinkinder beachtet werden müsste. Eltern müssen erfahren, was es mit ihren Kindern macht, wenn sie schon in den ersten Lebensmonaten Bildschirminhalten ausgesetzt sind.
Wenn ich bei der Untersuchung dann in die Tiefe gehe und Nachfrage, kommt das Thema Medienkonsum schon oft hervor.
Wie äußert sich das?
Ich beobachte bei Kleinkindern immer mehr unklare Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Stuhlproblematik, aber auch Schlafprobleme nehmen zu. Bei der Untersuchung sind die Kinder eher distanziert, der Untersuchung gegenüber eher gleichgültig. Oft verlangen sie von den anwesenden Eltern das Handy, anstatt sich mit der Situation auseinanderzusetzen. Ein ruhiges Sitzen, ein Beobachten ist immer weniger zu sehen. Durch den vielen Medienkonsum kommt es aus meiner Sicht auch zu weniger Bewegung und weniger körperlicher Aktivität, dadurch steigt u.a. die Infektionsanfälligkeit.
Woher kommt das? Welche Auswirkungen ergeben sich daraus?
Natürlich ist es schwer zu sagen, welche direkten Krankheiten sich von zu viel Bildschirmzeit ableiten lassen.
Aber wenn wir Erwachsene ehrlich mit uns selbst umgehen, dann brauchen wir uns nur selbst beobachten, was das Handy mit uns macht! Es fordert ständig unsere Aufmerksamkeit und Zeit und lenkt von echter, direkter Kommunikation ab. Die Eltern-Kind-Beziehung wird ganz sicher davon beeinträchtigt – die Kinder sehen die Eltern zwar physisch anwesend, aber sie spüren sie nicht.
Wenn es uns schon so schwerfällt, sich diesem Einfluss zu entziehen, wie sollen es dann die ganz Kleinen schaffen?
Nächster Bericht: Alina Schürz, BEd - Elementarpädagogin, Leitung einer Krabbelstube (Linz) "Kindern fehlt es an Bewältigungsstrategien im Umgang mit eigenen Gefühlen"
Im Interview: Dr. Arnika Thiede, Kinderärztin im Klinikum der Barmherzigen Brüder in Linz. 
Frau Dr. Thiede behandelt regelmäßig Kleinkinder mit Verhaltensstörungen, die sie auf übermäßigen Medienkonsum zurückführt.
Was löst die Mediennutzung in einem so jungen Alter aus?
Um das zu beantworten, muss man sich anschauen, welche Entwicklungen in diesem Alter stattfinden: Sprachentwicklung und die Sozialisation in der Gruppe. Ein kleines Kind braucht das Gegenüber mit Mimik und Gestik, die Interaktion. Das alles bekommt es vor dem Bildschirm nicht. Denn der ist nur auf Senden eingestellt.
Wie wirkt sich das aus?
Die Kinder lernen das Sprechen und die soziale Interaktion nicht. Das heißt, sie lernen beispielsweise nicht, dass man auf Dinge zeigt, dass es Blickkontakt braucht, dass man auch mit Mimik und Gestik kommunizieren kann. Bei uns in der Ambulanz landen diese Kinder ganz oft mit der Frage: Wieso spricht mein Kind nicht? Wieso hat es kein Interesse an anderen? Ist es vielleicht autistisch? Es gibt bereits den Begriff des Pseudo-Autismus durch den übermäßigen bildschirm-Medienkonsum.
Wie können Medien die körperliche Entwicklung eines Babys beeinflussen?
In den Ambulanzen sehen wir häufig Verhaltens- oder Sprachauffälligkeiten. Aber es gibt auch andere gesundheitliche Gefahren. Dazu zählt die Kurzsichtigkeit. Der Augapfel entwickelt sich durch das häufige Bildschirmsehen anders, das Auge wird kurzsichtig. In 25 Jahren wird der Hauptgrund dafür, dass Menschen frühzeitig erblinden, die Kurzsichtigkeit durch den Bildschirm sein.
Man weiß auch, dass durch das blaue Licht der Bildschirme die Schlafhormonproduktion vermindert wird und Kinder schlechter schlafen. Zugleich steigt das Level des Stresshormons Cortisol. Und das wiederum wirkt auf den Appetit. Der Hormonhaushalt des Kleinkindes kommt somit durcheinander. Die Kinder werden dick, weil sie kein Sättigungsgefühl mehr haben, nicht nur weil sie sich zu wenig bewegen.
Außerdem weiß man aus Studien mittlerweile, dass der ständige Medienkonsum zu Veränderungen im Gehirn führt. Wir können die schnellen Medienbilder nicht verarbeiten. Das ist, als ob man im Schnellzug sitzt und die Bilder mit 250 km/h an einem vorbeiziehen. Das Gehirn stellt sich darauf mit der Zeit ein. Deshalb werden die Bereiche im Gehirn, wo das Sehen verarbeitet wird, größer. Aber das Gehirn insgesamt wächst natürlich nicht. Das bedeutet, dass andere Bereiche, die nicht mehr so trainiert werden, kleiner werden. Die motorischen Fähigkeiten, die Sprachfähigkeiten sind davon betroffen. Das Volumen dieser Bereiche vermindert sich.

Regionale Digitale Notrufstelle Kirchschlag(rDNS)
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