Der digitale Schnuller - Interview mit Dr. Johanna Aichinger-Paul

Veröffentlichungsdatum03.07.2026Lesedauer2 Minuten

Eine Serie zur digitalen Medienkompetenz - Schon Babys und Kleinstkinder sieht man oft mit dem Smart­phone in der Hand. Was für manche niedlich aussieht, nimmt massiven Einfluss auf die frühkindliche Entwicklung.

Dass die ständige Präsenz des Handys bei Teenagern und Erwachsenen zu einer Art Suchtverhalten führt, ist vielen schon bewusst. Bei Babys und Kleinstkindern ist der Einfluss darüber hinaus noch dramatischer: auch körperliche Entwicklungen werden gestört, diese Defizite können später nicht immer aufgeholt werden.


Im Interview: Dr. Johanna Aichinger-Paul, Kinderärztin

Eine Person, die in die Kamera lächelt„Am meisten Sorge habe ich, wie sich der digitale Medienkonsum auf die Eltern-Kind Beziehung auswirkt“


Was sind Ihre Beobachtungen in der Praxis?

Häufig beobachte ich, dass das Bewusstsein für die Schädlichkeit von zu häufigem und zu frühem Konsum digitaler Medien bei Babys und Kleinkindern fehlt. Handy, Fernseher und Tablet als kurze Ablenkung, damit man in Ruhe etwas erledigen kann, damit man ungestört Telefonieren kann – das ist natürlich verständlich und passiert meist aufgrund von Überforderung der Eltern. Aber die Häufigkeit und die Dauer wird dabei unterschätzt.


Wie äußert sich das?

Die Sprachentwicklung und die soziale Entwicklung von Kindern sind verzögert. Dabei ist auch die nonverbale Kommunikation betroffen. Kinder können verhaltensauffällig sein und Symptome von Autismus zeigen.


Woher kommt das?

Der Trend das Handy zum Trösten und Ablenken zu verwenden wird immer größer.

Kinder lernen durch Beobachtung und Nachahmung in der direkten, persönlichen Kommunikation. Wenn Kinder und auch die Eltern sehr viel und häufig auf einen Bildschirm starren, kommt diese direkte Interaktion zu kurz.


Welche Auswirkungen ergeben sich daraus?

Die Eltern-Kind-Beziehung leidet darunter, wenn die Interaktion zwischen Eltern und ihren Kindern immer reduzierter wird. Kinder machen nicht ausreichend die Erfahrung, dass sie wahrgenommen werden und lernen umgekehrt nicht, die Gefühle ihres Gegenübers richtig zu deuten. Das hat vor allem auch später Auswirkung, wenn die Kinder größer werden. Alles, was in den ersten Kindheitsjahren an Bindung nicht gepflegt wurde, ist später nicht mehr nachzuholen. Daher wäre es wichtig, dass Kinder unter 3. Jahren überhaupt keine digitalen Medien konsumieren.



Weitere Informationen unter:

www.smart-aufwachsen.at


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