Eine Serie zur digitalen Medienkompetenz - Schon Babys und Kleinstkinder sieht man oft mit dem Smartphone in der Hand. Was für manche niedlich aussieht, nimmt massiven Einfluss auf die frühkindliche Entwicklung.
Dass die ständige Präsenz des Handys bei Teenagern und Erwachsenen zu einer Art Suchtverhalten führt, ist vielen schon bewusst. Bei Babys und Kleinstkindern ist der Einfluss darüber hinaus noch dramatischer: auch körperliche Entwicklungen werden gestört, diese Defizite können später nicht immer aufgeholt werden.
Im Interview: Dr. Bernhard Schütz
Facharzt für Allgemein- und Familienmedizin

„Eltern müssen erfahren, was Bildschirmzeit mit Kleinkindern macht“
Was sind Ihre Beobachtungen in der Praxis?
Als Arzt bin ich der Überzeugung, dass bereits im Rahmen des Mutter-Kind-Passes das Thema Medieneinfluss auf Kleinkinder beachtet werden müsste. Eltern müssen erfahren, was es mit ihren Kindern macht, wenn sie schon in den ersten Lebensmonaten Bildschirminhalten ausgesetzt sind.
Wenn ich bei der Untersuchung dann in die Tiefe gehe und Nachfrage, kommt das Thema Medienkonsum schon oft hervor.
Wie äußert sich das?
Ich beobachte bei Kleinkindern immer mehr unklare Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Stuhlproblematik, aber auch Schlafprobleme nehmen zu. Bei der Untersuchung sind die Kinder eher distanziert, der Untersuchung gegenüber eher gleichgültig. Oft verlangen sie von den anwesenden Eltern das Handy, anstatt sich mit der Situation auseinanderzusetzen. Ein ruhiges Sitzen, ein Beobachten ist immer weniger zu sehen. Durch den vielen Medienkonsum kommt es aus meiner Sicht auch zu weniger Bewegung und weniger körperlicher Aktivität, dadurch steigt u.a. die Infektionsanfälligkeit.
Woher kommt das? Welche Auswirkungen ergeben sich daraus?
Natürlich ist es schwer zu sagen, welche direkten Krankheiten sich von zu viel Bildschirmzeit ableiten lassen.
Aber wenn wir Erwachsene ehrlich mit uns selbst umgehen, dann brauchen wir uns nur selbst beobachten, was das Handy mit uns macht! Es fordert ständig unsere Aufmerksamkeit und Zeit und lenkt von echter, direkter Kommunikation ab. Die Eltern-Kind-Beziehung wird ganz sicher davon beeinträchtigt – die Kinder sehen die Eltern zwar physisch anwesend, aber sie spüren sie nicht.
Wenn es uns schon so schwerfällt, sich diesem Einfluss zu entziehen, wie sollen es dann die ganz Kleinen schaffen?
Weitere Informationen unter:
www.smart-aufwachsen.at
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