Eine Serie zur digitalen Medienkompetenz - Schon Babys und Kleinstkinder sieht man oft mit dem Smartphone in der Hand. Was für manche niedlich aussieht, nimmt massiven Einfluss auf die frühkindliche Entwicklung.
Dass die ständige Präsenz des Handys bei Teenagern und Erwachsenen zu einer Art Suchtverhalten führt, ist vielen schon bewusst. Bei Babys und Kleinstkindern ist der Einfluss darüber hinaus noch dramatischer: auch körperliche Entwicklungen werden gestört, diese Defizite können später nicht immer aufgeholt werden.
Im Interview: Angelika Riener
Logopädin, akad. LRS-Therapeutin

„Kinder brauchen ein Gegenüber um Sprache zu lernen“
Beobachtungen in der Praxis
Sprachstörungen im Kindesalter nehmen zu
Wie äußert sich das?
Über die letzten Jahre hinweg ist auffällig, dass Sprachschwierigkeiten/- störungen immer mehr und schwerwiegender werden.
Bei vielen Kindern ist der Sprechbeginn verzögert.
Schon im Alter von 2 Jahren sollten Kinder im Alltag 50 Wörter aktiv verwenden und mindestens Zweiwort-Sätze sprechen können. Bsp.: „Papa Ball“ oder „Mama Auto fahren“.
In meiner Praxis sehe ich, dass Probleme wie zum Beispiel Aussprachefehler und Grammatikfehler
viel häufiger auftreten als noch vor ein paar Jahren. Das bedeutet, dass Kinder einzelne Laute falsch
bilden oder beim Sprechen auslassen und somit von anderen schlechter verstanden werden. (Sule statt Schule, Hiese statt Riese,...)
Grammatikfehler äußern sich oft dadurch, dass Kinder nur kurze Sätze sprechen oder wenige Wörter kennen und verwenden. Manche Kinder haben sogar Probleme, längere Sätze richtig zu verstehen.
Woher kommt das?
Sprache wird nur über Kontakt mit anderen, durch Blickkontakt mit dem Gegenüber, durch Interaktion mit Bezugspersonen, sowie durch Nachahmung und im Spiel gelernt.
Schon bei Babys kann man erkennen, dass sie Zungenbewegungen nachahmen. Umso wichtiger ist ein „Nachmachen“ in allen Bereichen, die die Sprache betreffen.
Kinder lernen durch imitieren und ausprobieren. Durch jedes Gespräch, das mit dem Kind geführt wird, lernt und wiederholt es neue Wörter und Sätze.
Ein Bildschirm oder Handy kann keinerlei menschliche Kommunikation ersetzen. Das Kind kann vielleicht einzelne Wörter aufschnappen, doch Kommunikation (ein Miteinander mit anderen Menschen) und die Wirkung der Sprache lernt es vom Handy und Tablet nicht.
Bei Sprachentwicklungsverzögerungen oder Störungen gibt es natürlich auch andere Ursachen.
In jedem Fall ist es wichtig, Kinder mit Problemen so früh wie möglich zu unterstützen und eine Fachkraft aufzusuchen.
Welche Auswirkungen ergeben sich daraus?
Sprache ist ein grundlegendes Bedürfnis und von besonderer Wichtigkeit für das soziale
Miteinander.
Sprachauffällige Kinder haben im Kindergarten manchmal Probleme, Kontakte mit Gleichaltrigen
herzustellen.
Kinder mit Sprachstörungen im vorschulischen Bereich können später auch Schwierigkeiten beim
Erlernen des Lesens und Schreibens haben.
Sprachprobleme können Auswirkungen bis ins Erwachsenenalter haben und eine berufliche Laufbahn erschweren.
Weitere Informationen unter:
www.smart-aufwachsen.at
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